WIE PANDUIT EIN GRUNDLEGENDES PROBLEM DER ELEKTRISCHEN SICHERHEIT LÖSTE
Alan Bond erläutert, wie VeriSafe einen bisher risikobehafteten Prüfprozess grundlegend verändert hat.
In der elektrischen Sicherheit gab es lange einen grundlegenden Widerspruch. Um nachzuweisen, dass eine Schalttafel sicher war, musste ein Mitarbeiter zunächst einen potenziell gefährlichen Bereich betreten und die Schalttafel unter Spannung prüfen. Dieser Vorgang wurde akzeptiert. Er war vorgeschrieben. Er war aber auch – so sieht es Alan Bond, Senior Global Product Manager bei Panduit – ein Widerspruch, der sich vor aller Augen verbarg.
Dieser Widerspruch führte zur Entwicklung von VeriSafe™, einem Spannungsfreiheitsprüfer, der einen bislang zeitaufwändigen Prozess automatisiert, der auf manuellen Prüfungen und direktem Kontakt mit potenziellen Gefahrenquellen beruhte.
Das Ergebnis war mehr als nur eine Verbesserung der Sicherheit. Es machte Arbeitsabläufe schneller und einheitlicher. Ein Vorgang, der früher etwa 20 Minuten dauerte, lieferte nun in etwa 10 Sekunden ein Ergebnis. Angesichts der fortschreitenden Elektrifizierung und des zunehmenden Fachkräftemangels geht es dabei um weit mehr als nur die Einhaltung von Vorschriften.
Der Prozess basierte auf einem Widerspruch
Panduit erkannte, dass die Überprüfung der elektrischen Sicherheit oft den direkten Kontakt mit genau jener Gefahr erforderte, die die Mitarbeiter eigentlich vermeiden wollten.
Frage: Welches Problem hat zu der Entwicklung des VeriSafe geführt?
Alan Bond: Bei herkömmlichen „Live-Dead-Live“-Prüfungen muss man absichtlich mit etwas interagieren, von dem man bereits vermutet, dass es gefährlich sein könnte – nur um zu beweisen, dass es nicht so ist.
Das Verfahren ohne VeriSafe ist daher ein Paradoxon: Um zu überprüfen, ob ein Schaltschrank spannungsfrei und sicher ist, muss man den Schaltschrank öffnen und sich zunächst selbst möglichen spannungsführenden Komponenten aussetzen.
Das ist, als würde man mit einem Streichholz nach einem Gasleck suchen. Wäre das in Ordnung, wenn man einen feuerfesten Anzug trägt? Wahrscheinlich nicht. Man tut immer noch genau das, was man in der Nähe eines möglichen Lecks nicht tun sollte.
F: Warum war es so schwer, diesem Verfahren von einer Person zur nächsten zu vertrauen?
Alan Bond: Vor VeriSafe musste man sich darauf verlassen, dass jemand mit einem Handmessgerät hineinging, Messwerte erfasste und dann interpretierte, was er sah. Die Norm schrieb zwar vor, welche Schritte zu befolgen waren, beseitigte aber nicht immer die Unklarheiten im Ergebnis. Die eine Person interpretierte die Werte auf die eine Weise, eine andere auf eine andere. Wir wollten die Sicherheit der Ergebnisses des Verfahrens erhöhen.
F: Das war also nicht einfach nur eine verbesserte Version eines bereits vorhandenen Geräts. Es klingt, als hätte Panduit damit eine völlig neue Produktkategorie geschaffen?
Alan Bond: Ja! Es ging nicht einfach nur darum, „ein besseres Gerät zu bauen und es auf den Markt zu bringen“. Es gab eine viel umfassendere Zusammenarbeit zwischen Normungsgremien, Experten und Branchen, die alle dazu beitrugen, dass dieses Produkt genau so wurde, wie es sein musste.
Aus 20 Minuten werden 10 Sekunden
Panduit hat einen manuellen Verifizierungsprozess, der bis zu 20 Minuten dauern konnte, in eine Prüfung per Knopfdruck umgewandelt, die in etwa 10 Sekunden ein Ergebnis liefert.
F: Die Zeitersparnis ist beeindruckend. Wie sieht diese Veränderung in der Praxis aus?
Alan Bond: Die manuelle Methode dauert etwa 20 Minuten. Es kann auch länger oder kürzer dauern. In der Regel liegen wir aber bei 20 Minuten. Mit VeriSafe sind es nun nur noch 10 Sekunden. Man drückt den Knopf, lässt das Gerät all die Schritte ausführen, die normalerweise von Hand erledigt werden, und erhält dann das Ergebnis.
F: Warum ist dieser Zeitunterschied über den reinen Komfort hinaus von Bedeutung?
Alan Bond: Sicherheit lässt sich finanziell nur schwer beziffern. Arbeitsersparnis hingegen schon. Wenn man einen Vorgang, der früher einen qualifizierten Elektriker 20 Minuten lang in Anspruch genommen hat, auf 10 Sekunden verkürzen kann, hat das sofort einen Wert. Es trägt auch dazu bei, dass der Vorgang tatsächlich eingehalten wird, da man viele Verzögerungen beseitigt hat.
F: Vertrauen scheint hier eine zentrale Rolle zu spielen. Wie hat Panduit dies bei der Entwicklung berücksichtigt?
Alan Bond: Wenn wir ein Gerät einführen, dem ein Anwender vertrauen muss, muss es so konzipiert sein, dass der Anwender den Ergebnissen des Geräts vertrauen kann. VeriSafe kann überprüfen, ob es noch an die Leiter angeschlossen ist, an die es angeschlossen sein sollte. Außerdem führt es eine interne Diagnoseprüfung des Systems selbst durch. Unser Ziel war es, die Zuverlässigkeit des Ergebnisses zu erhöhen.
Mehr als Sicherheit: Ein Werkzeug für Personal und Betrieb
Der Nutzen von VeriSafe geht heute weit über die elektrische Sicherheit hinausund hilft Teams dabei, konsistenter, verzögerungsfreier und mit größerer Zuversicht zu arbeiten.
F: Ab wann wurde VeriSafe zu einem Werkzeug für einen effizienteren Betrieb und nicht mehr nur zu einer Sicherheitslösung?
Alan Bond: VeriSafe ermöglicht es auch Nicht-Elektrikern, zu überprüfen, ob eine Schalttafel spannungsfrei ist.
F: Warum ist das eine so bedeutende Veränderung?
Alan Bond: Nach dem alten Verfahren musste ein qualifizierter Elektriker den Schaltschrank öffnen und die Spannungsfreiheit manuell überprüfen. Mit VeriSafe lässt sich dieser Überprüfungsschritt jedoch viel schneller und ohne die damit verbundene direkte Gefährdung während der Prüfung durchführen. Dadurch kann der Prozess je nach Standort und Verfahren auch durch anderes geschultes Personal durchgef+hrt werden. Das gibt Unternehmen mehr Flexibilität bei der Personalplanung.
F: Warum ist das gerade jetzt so wichtig?
Alan Bond: Die Elektrifizierung schreitet schneller voran, als die Fachkräfte mithalten können. Unternehmen verlangen von weniger erfahrenen Mitarbeitern, mit mehr Geräten umzugehen. VeriSafe automatisiert den Prozess und ermöglicht es Nicht-Elektrikern, diesen Schritt in wesentlich kürzerer Zeit zu erledigen. Dadurch werden Fehler vermieden und Anreize beseitigt, den Prozess einfach zu überspringen.
F: Was hat sich noch verändert, als die Kunden das System auf diese Weise einsetzten?
Alan Bond:
Kunden erkennen zunehmend Vorteile durch standardisierte Abläufe und höhere Transparenz.
Wenn man das Netzwerkmodul hinzufügt, erhält man Fernüberwachung und -anzeige. Ein Vorgesetzter kann erkennen, was vor sich geht, ohne direkt vor der Schalttafel stehen zu müssen. So wird es mehr als nur eine Sicherheitsvorrichtung. Es wird Teil der Arbeitsorganisation.
Standards schufen Vertrauen in eine neue Produktkategorie
Gemeinsam mit Normungsgremien, Sicherheitsexperten und Branchenvertretern entwickelte Panduit VeriSafe zu einer Lösung, der Kunden vertrauen und die sie mit Überzeugung einsetzen können.
F: Bei VeriSafe ging es nicht nur darum, ein Hardware-Problem zu lösen. Was war erforderlich, um diese neue Produktkategorie am Markt zu etablieren?
Alan Bond: Dazu war eine enge Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Branchen, Experten und Normungsgremien erforderlich. Alle trugen dazu bei, das Produkt so zu gestalten, wie es wirklich sein musste. Es ging nicht einfach darum, „ein besseres Produkt zu entwickeln, es auf den Markt zu bringen und abzuwarten, ob es jemand kauft“.
F: Was haben diese Diskussionen über Standards konkret verändert?
Alan Bond: Ein Teil dieser Zusammenarbeit mit Branchenstandards und Experten auf diesem Gebiet bestand darin, einen Prozess, der viel Subjektivität beinhaltete, besser zu definieren. Zum Beispiel konnte der alte Prozess dazu führen, dass Menschen Messwerte unterschiedlich interpretierten. Der Produktstandard legte dagegen einen klareren Schwellenwert dafür fest, was in diesem Zusammenhang als spannungsfrei gilt.
F: Warum war das für die Akzeptanz wichtig?
Alan Bond: Weil die Menschen darauf vertrauen mussten. Es mussten mehrere Normen bei UL, NFPA und IEEE [Underwriters Laboratories, National Fire Protection Association, Institute of Electrical and Electronics Engineers] angepasst und neu geschaffen werden. Daran war nicht nur Panduit beteiligt. Das erforderte viel Zusammenarbeit. Wenn man möchte, dass der Markt so etwas nutzt, darf es nicht nur eine gute Idee sein; es muss etwas sein, das die Menschen verstehen und an das sie glauben.
Mehrwert durch kontinuierliche Weiterentwicklung
Panduit erweitert VeriSafe kontinuierlich für weitere Spannungsbereiche, Einsatzumgebungen und Anwendungsfälle. Somit wird Mehrwert lange nach Markteinführung geschaffen.
F: In welchen Bereichen wird VeriSafe heute eingesetzt, die ursprünglich nicht vorgesehen waren?
Alan Bond: VeriSafe wurde ursprünglich für industrielle Fertigungsanlagen konzipiert, und in den ersten sechs oder sieben Jahren wurde es auch vor allem dort eingesetzt. Später wurde VeriSafe zunehmend auch in Rechenzentren eingesetzt.Mittlerweile sieht man es auch in anderen Branchen. Ladestationen für Elektrofahrzeuge, Autowaschanlagen, Logistikstandorte. Überall dort besteht dieselbe grundlegende Herausforderung: Man muss sicher feststellen können, dass eine Anlage spannungsfrei ist.
F: Wie hat sich das Produkt selbst mit diesen neuen Anwendungsfällen weiterentwickelt?
Alan Bond: Die erste VeriSafe Generation war für einen klar definierten Spannungsbereich und bestimmte Anwendungen ausgelegt.VeriSafe 1 kV hat diese Möglichkeiten erweitert. Heute unterstützt VeriSafe höhere Spannungsklassen sowie einphasige und Gleichstromanwendungen.Dadurch können wir mehr Orte abdecken, an denen dasselbe Problem besteht.
F: Was sagt das über die Innovationskraft von Panduit aus?
Alan Bond: Es zeigt, dass die Arbeit nicht mit der Markteinführung der ersten Version endet. Man löst ein Problem und arbeitet dann an der nächsten Generation. Das Produkt hat sich in dem Jahrzehnt, seit es auf dem Markt ist, bereits weiterentwickelt. Künftig werden wir den Einsatzbereich auf höhere Spannungen und weitere spezialisierte Anwendungen ausweiten.
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